Mensch

Was ist der Mensch?

Immanuel Kant fasste sein Philosophieren einst unter der Frage zusammen: „Was ist der Mensch?“

Karl Jaspers schrieb später: „In unserer Liebe sind wir, was wir eigentlich sind. Alles, was in uns Gewicht hat, ist im Ursprung Liebe.“

Liebe

In Bezug auf den Menschen schreibt Karl Jaspers der Liebe in seiner Philosophie eine bedeutende Rolle zu. Ein paar Zitate sollen das verdeutlichen, ohne dass diese diese Aspekte seiner Philosophie erschöpfend widerspiegeln (genauere Quellenangaben in meiner „Bibliothek“ unter https://www.ostfalen-spiegel.de/schriftum/). Und sicher ist auch die Jaspersche Philosophie nur eine Näherung an das, was Liebe eigentlich ist. Aber für mein Empfinden beschreibt Jaspers die Liebe in vielen ihrer in der Wirklichkeit anzutreffenden Facetten trotz aller philosophischen Idealisierungen sehr treffend – von einer rein naturalistischen Sicht auf die Liebe einmal abgesehen. Das Treffende untermauernd wird Jaspers durch andere Zitate ergänzt.

„Wir sind sterblich als bloßes Dasein, unsterblich, wo wir zeitlich erscheinen, als das, was ewig ist. Wir sind sterblich als Lieblose, unsterblich als Liebende. Wir sind sterblich in der Unentschiedenheit, unsterblich im Entschluß. Wir sind sterblich als Naturgeschehen, unsterblich, wo wir uns in unserer Freiheit geschenkt werden.“

Karl Jaspers, Kleine Schule des philosophischen Denkens, S. 165.

„Was ich begreifen kann, das ist mein Wesen; was ich glaube, das bin ich; was für einen Gott ich habe, das ist mein Sein; ich bin in der Weise meines Liebens.“

Karl Jaspers, Von der Wahrheit. S. 987.

„Die Freiheit, die als abstrakte des Denkens und Wollens sich absolut setzt, ist immer nur eine Scheinfreiheit, weil sie an sich nur negative Freiheit ist. Liebe ist meine eigentliche Freiheit, nämlich erfüllte Freiheit, in der ich mich aufschwinge …

Karl Jaspers, Von der Wahrheit. S. 989.

„[Liebe] ist das schlichte Wort für das Tiefste und Positivste unseres seins.“

Karl Jaspers, Von der Wahrheit. S. 991.

Liebe ist nicht zu wollen: Liebe ist nicht abhängig von  meinem Plan und Willen. Ich verfüge nicht über meine Liebe, kann nicht bezwecken, ob und was ich lieben möchte oder nicht.
Ich liebe schon, ehe ich weiß, dass ich liebe.
Die Liebe ist ein Mysterium, gemessen an rational Begreiflichem und Einzurichtendem.
Ich kann nur hinnehmen, als was ich mir liebend geschenkt werde.
Liebe selbst ist das tiefe Nichtwollen, das erst der Grund des eigentlichen Wollens wird.“

Karl Jaspers, Von der Wahrheit. S. 992.

„Nur durch sachliche Inhalte ist Kommunikation erfüllbar. Nur durch liebende Menschen wird Sachliches wesentlich.“

Karl Jaspers, Von der Wahrheit. S. 1011.

„Jede Weise der Liebe ist an sich wahr. Sie ist wahr in der unbefangenen Hingabe, in dem Hingerissensein, damit auch in ihrem Opfer, ihrem Scheitern.“

Karl Jaspers, Von der Wahrheit. S. 1015.

„Das Menschsein fordert, daß es den Vorrang hat vor dem Geschlechtsein. Mann und Frau sind zuerst Menschen und dann erst Geschlecht.“

Karl Jaspers: Kleine Schule des philosophischen Denkens. S. 153.

„…
Liebe ist Freundschaft
Liebe uns Freunde schafft.
…“

R., 1999

„man kann etwas oder jemanden nicht stärker bejahen, als indem man ihn liebt, nämlich ihm sagt: ich will, daß du bist – amo: volo ut sis.“

Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes, S. 338.